Tag 2 meines Blogs

Heute ist Ostermontag. Wir waren bei Papa und Milana zum Essen eingeladen. Es gab gekochte Eier, grünes Gemüse, Schinken und zum Nachtisch Pinca (Osterkuchen). Die kleine Lola ist toootal süß, sie hat ihr Osternest gesucht und ist bei jedem Ei in entzücktes Quieken ausgebrochen, ist permanent auf und ab gehüpft. Alles war prima, bis die Sprache auf Mama kam. Anscheinend hat sie diese Woche bei Papa angerufen und ihm vorgeworfen, er würde sich zu wenig um Magnus kümmern. Seine Schulleistungen hätten deshalb nachgelassen (meiner Meinung eher deshalb, weil er stinkfaul ist) und er solle gefälligst seinen Vaterpflichten nachkommen. Das Ganze kam zur Sprache, weil Magnus sich geweigert hat, die Ferien bei Papa und seiner neuen Familie zu verbringen. Da ist Milana dann laut geworden. Uiuiui. Und vorbei wars mit dem Familienfrieden.

 

Da ist dann auch total die Tatsache in den Hintergrund geraten, dass Gideon es vorzogen hat, den Ostermontag mit seinen Kumpels auf dem Motorrad zu verbringen. Er meint, er hätte es nicht so mit kleinen Kindern und mit seiner gestrigen Anwwesenheit habe er seinen Familien-Pflichten genüge getan. Das kam jetzt nicht sooo gut an.

 

Magnus hat dann nur noch bockig vor seinem Smartphone gohockt, keinen Ton mehr gesagt und Milana hat mir wehmuetig von Ostern in Kroatien berichtet. Und mich mit sämtlichen Nagellack-Gläschen versorgt.

 

Auf dem Rückweg bin ich dann noch mit Magnus bei Omi vorbeigefahren. Sie hatte wieder ihre pinkfarbenen Britney Spears-Hausschuhe an und unablaessig von Florian Silbereisen geschwärmt. Gestern Abend muss wohl das "Osterfest der Volksmusik" gelaufen sein. Muss wohl DER Brüller gewesen sein. Zur Zeit hat sie ihre Haare in eine violette hochgetürmte Dauerwelle gehüllt und sich künstliche Fingernägel zugelegt. Sieht irgendwie merkwürdig aus in dem Alter. Für Sonntag sind Magnus und ich jetzt zu Omas legenaeren Kohlrouladen eingeladen. Mjam!

22.4.14 15:15, kommentieren

Tag 1 meines Blogs

Musste das sein? Er hatte doch genau gewusst, dass alle warten würden! Gerade heute an Ostern! Und die ganze Familie versammelt. Wer kam nicht? Gideon. IHR Gideon. "Ines, Du kannst jetzt sagen was Du willst, aber ehrlich gesagt, es überrascht mich überhaupt gar nicht. Ich habe ohnehin noch nie kapiert, was du von diesem Kerl überhaupt willst! Oma lädt uns zum Essen ein und Du weißt ja, wie viel Wert sie auf Pünktlichkeit legt!"

Ihre Mutter stieß einen tiefen Seufzer der Verzweiflung aus und warf ihr einen betont betrübten Blick zu. Kopfschüttelnd nestelte sie an ihrer hellgrauen Seidenbluse herum, rückte ihre silberne Barbara Cartland-Frisur zurecht und blies hörbar Luft aus. Gideon und ihre Mutter, sie musste zugeben, das gab kein Traumpaar und würde es auch nie geben. Gideon hatte ihr beim ersten Treffen versehentlich den 12-cm-Absatz ihres Stöckelschuhs abgebrochen und danach nur lapidar gemeint "So hohe Schuhe sind eh nicht gesund, zumal in Ihrem Alter" und lediglich mit seinen Achseln gezuckt. Er hatte sie auf dem Kopfsteinpflaster in der Altstadt versehentlich angerempelt gehabt und sie war mit dem Fuß umgeknickt. Das kam (verständlicherweise) nicht besonders gut an. Zu viel Bier, es war Mittelaltermarkt und er hatte zu viel von dem Bier probiert. Kein "Ich werde Ihnen den Schuh selbstverständlich ersetzen." oder "Oh, das tut mir jetzt aber leid!" So hatte er den Grundstein für eine "Freundschaft" mit ihrer edlen Mutter gelegt.

Ines blickte zum x-ten Mal auf ihr Handy, keine Nachricht, kein Anruf, keine SMS. Er hatte sein Handy offenbar ausgeschaltet, es ging nur die Mailbox dran, auf die sie schon vier Nachrichten gesprochen hatte. Na ja, ihrer Mutter war ohnehin noch keiner ihrer Liebhaber gut genug gewesen, aber Gideon schoss von all denen den Vogel ab! Ihm schien alles egal zu sein, Schwiegermutter: uninteressant! Ines' Freunde: uninteressant! Aber irgendwie faszinierte sie der Typ!
"Also, ICH gehe jetzt! Magnus, Du kommst mit. Ines, DU kannst ja auf ihn warten. Aber NICHT mit mir! Wir kommen eh schon zu spät!" Wütend schnappte sich ihre Mutter den Seidenschal, ihre Louis Vuitton-Handtasche und ihren 14-jährigen Bruder Magnus.

"Hey, was geht ab?" ein lautes Poltern in der offenen Terrassentür und Gideon mit abgewetzter, brauner Lederjacke und zersaustem Haar stand strahlend mitten im Wohnzimmer. In der Hand ein verwelkter, trauriger Blumenstrauß. Die Louis Vuitton-Handtasche fiel polternd zu Boden.

20.1.14 15:25, kommentieren